Die Tyrannei der Aktienkurse

Posted by div2div on 12. Februar 2021 in Mindset

SCS Kurse

Quelle: Pixabay.com

Es gab Zeiten, da hat man morgens die Frankfurter Allgemeine Zeitung oder das Handelsblatt aus dem Briefkasten geholt, um die Aktienkurse nachzuschlagen und Wirtschaftsnachrichten zu lesen. Zugegeben, dies ist schon sehr lange her, aber wir können uns noch gut an unsere Anfangszeit mit Investments erinnern.
Heute sieht es glücklicherweise ganz anders aus. Nachrichten rund um Investments im Allgemeinen und detaillierte Informationen zu Einzelunternehmen sind auch für Privatanleger umfassend und jederzeit verfügbar. Dem Internet sei Dank!
Hinzu kommt, dass viele Apps es ermöglichen, dass man sein Depot, Watchlisten und die Kurse überall „checkt“. So positiv dies grundsätzlich ist und so viele Vorteile es mit sich bringt, auch unterwegs Aktienorders erteilen zu können, so gibt es unserer Ansicht nach auch einen anderen Aspekt, dessen man sich zumindest bewusst sein sollte.


Durch die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Aktienkursen besteht zumindest die Gefahr, dass die Kurse überproportional in den Fokus geraten und das Handeln bestimmen. Abgesehen davon, dass es keinen Sinn macht, ein Langfristdepot 20mal am Tag über seine App am Handy zu „checken“. Auch wenn es sich einfach und plausibel anhört, wir nutzen auch diverse Apps für Finanznachrichten, Watchlists etc. und manchmal ertappt man sich selbst dabei wie man zwischendurch die App zum x-ten mal am Tag öffnet. – Hinzu kommt, dass in der Finanzberichterstattung in den Medien oft reißerische Schlagzeilen über eine Tageskursentwicklung dominieren. Sätze wie „Kursrakete“, „Kurs des Unternehmens X bricht ein“, „Aktienkurs explodiert“ oder „Kurs fällt ins Bodenlose“ sind keine Seltenheit. Tägliche Übersichten und Listen über die Tops und Flops gehören auch in dieses Gesamtbild. Natürlich macht es in diesem Zusammenhang einen Unterschied, welche Strategie man verfolgt. Trader haben einen anderen Blickwinkel als Income- oder Value Investoren. Als Langfrist-Investor sollte man sich allerdings der Gefahr einer „Kursfokussierung“ zumindest bewusst sein und versuchen, das tägliche „Geschrei“ in den Medien zu ignorieren und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. – Tune out the noise! –


Von Investor Legende Warren Buffett gibt es dazu einige sehr gute und einprägsame „Börsenweisheiten“:

„Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen ist, weil sie steigt.“
(Warren Buffett)

Wenn Du nicht bereit bist, eine Aktie für 10 Jahre zu halten, solltest Du auch nicht darüber nachdenken, sie für 10 Minuten zu besitzen.“
(Warren Buffett)

Die Sichtweise, die dem zugrunde liegt, ist folgende: Eine Aktie ist ein Unternehmens-Anteil und man sollte sich immer fragen, ob man Miteigentümer des Unternehmens werden will, von dem man vorhat, Aktien zu kaufen. Deswegen können wir mit dem Begriff „Wertpapier“ auch nicht so viel anfangen.

“Kaufe eine Aktie, so wie du ein Haus kaufen würdest. Verstehe und schätze es derart, dass du dich damit abseits eines jeden Marktes begnügen würdest.” (Warren Buffett)

“Ich versuche nie, an der Börse Geld zu verdienen. Ich kaufe unter der Annahme, dass der Markt am nächsten Tag geschlossen und fünf Jahre lang nicht wieder geöffnet wird.”
(Warren Buffett)

Wenn man sich dies alles von Zeit zu Zeit immer mal wieder vor Augen führt, ist es leichter, die Tyrannei der Aktienkurse auszublenden und sich als langfristig ausgerichteter Income-Investor auf das Wesentliche zu konzentrieren. Für uns sind das in erster Linie die Zahlen eines Unternehmens, das Geschäftsmodell, ein Burggraben und ein shareholder-value freundliches Management. Wir wählen Unternehmen von denen wir Anteile erwerben sorgfältig aus und achten darauf, dass eine Identifikation (bis zu einem gewissen Grad) mit der jeweiligen Firma möglich ist. Natürlich gelingt es nicht immer die Unternehmen für sein eigenes Portfolio perfekt zu analysieren und auszuwählen und man stellt ab und zu fest, dass man sich bei einer Investment-Entscheidung geirrt hat. In diesen Fällen sollte man selbstverständlich nicht „stur“ an der Position festhalten, sondern handeln, um den Fehler zu korrigieren. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel und auch die alte Börsenweisheit: „Hin- und Her, Taschen leer“ hat ihre Berechtigung.

Gerade die Entwicklung und die Schlagzeilen der vergangenen Wochen im Zusammenhang mit dem „Aufeinandertreffen“ von Hedgefonds und einem Schwarm von Kleinanlegern (Stichwort: Reddit Plattform, Gamestop Aktie u.a.) macht deutlich, wie wichtig es ist, sich nicht von diesem Hype und Geschrei anstecken zu lassen. Was gab es da nicht alles für übertriebene, reißerische Schlagzeilen. Kursbewegungen von teilweise über 1.000% in wenigen Wochen waren natürlich spektakulär, aber in keiner Weise nachhaltig. Wir wollen an dieser Stelle nicht tiefer in das Thema „Kleinanleger“ vs „Hedgefonds“ einsteigen, aber auf den ersten, oberflächlichen Blick können wir keine Marktmanipulation durch die „Kleinanleger“ erkennen. In der Vergangenheit kam es zumindest ab und zu vor, dass einige schwarze Schafe unter den Hedgefonds bei einer Aktie „short“ waren und danach eine „negative“, verzerrende Analyse veröffentlicht haben, um durch ihr Gewicht in der Finanzwelt den Kurs dann auch zu „drücken“. Dies verstehen wir unter Marktmanipulation. Dass in diesem Fall sich Kleinanleger „verabredet“ haben Aktien zu kaufen und einen Short-Squeeze herbeizuführen, erscheint nicht verwerflich. Etwas bedenktlich war aus unserer Sicht dagegen die Reaktion einiger Broker, den Handel mit den betreffenden Aktien für eine Zeit größtenteils zu untersagen.

Im Ergebnis bleibt für uns die Herausforderung, einen langfristigen Kurs beizubehalten und Qualitäts-Unternehmen auszuwählen, die einen verlässlichen, regelmäßigen Ertrag an ihre Anteilseigner ausschütten. Der auch von den Medien oft vermittelte kurzlebige Fokus auf den Aktienkurs eines Unternehmens, kann schnell vom Wesentlichen ablenken und führt unter Umständen zu falschen Entscheidungen sowie zu einer Tyrannei der Aktienkurse.


Zum Schluss noch ein Zitat von Benjamin Graham, dem Lehrmeister von Warren Buffett.

“In the short run, the market is a voting machine but in the long run, it is a weighing machine.”
(Benjamin Graham)

Vielen Dank für den Besuch bei Dividende-um-Dividende!

Hinweis

Die vorgenannten Ausführungen stellen ausdrücklich keine! Kauf/Verkaufsempfehlung dar. Sie spiegeln lediglich unsere Meinung wider und sollen zur Anregung eigener Recherche dienen.

-keine Anlageberatung – 

Investments sind immer auch individuell zu betrachten und nicht jedes Investment passt zum Risikoprofil jeder Person.

Der Beitrag wurde mit der größtmöglichen Sorgfalt erstellt. Eine Gewähr für die Richtigkeit der Zahlen/Daten kann allerdings nicht übernommen werden.

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