Die Dividenden-Falle und ihre Folgen

 

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Quelle: unsplash.com

 

Normalerweise stehen Branchen und Unternehmen bei uns im Fokus, in denen wir Potenzial für die Zukunft und ein attraktives Chance/Risiko Verhältnis für langfristig orientierte Income Investoren sehen. Aber unserer Meinung nach schadet es auch nicht, sich darüber klar zu werden, in welchen Bereichen/Branchen man nicht aktiv sein möchte.

Als Income Investor mit einer Dividenden-Wachstumsstrategie kommt der Sicherheit des eigenen Dividenden-Cashflows eine herausragende Bedeutung zu. Dabei spielt es keine Rolle, ob man die regelmäßigen Einnahmen re-investiert, für Sonderausgaben nutzt oder zum Ausgleich einer möglichen Versorgungslücke im Ruhestand verwendet. Natürlich sind Dividendensteigerungen in einem Bullenmarkt mit boomender Wirtschaft leichter zu erzielen, als in Krisenzeiten, in denen die Unternehmen Dividenden teilweise „nur“ konstant halten, kürzen, temporär aussetzen oder ganz streichen. Der Satz

„Everybody is a genius in a bull-market“ (Mark Cuban)

bringt es auf den Punkt und er gilt auch für die Dividenden-Strategie. In Krisenzeiten zeigt sich dann erst die wahre Qualität eines Income-Portfolios. – Unser International Income Portfolio (IIP) hat diesbezüglich auch noch weiteren Optimierungsbedarf.

Dividendenkürzungen/Streichungen haben meistens einen doppelt negativen Effekt auf das Portfolio. Zum Einen sinken die Dividenden-Erträge und zum Anderen sacken die Kurse dieser Werte im Nachgang einer Dividendenkürzung/Streichung oft massiv ab (bspw. Vertrauensverlust der Investoren, düstere Geschäftsaussichten etc.). Man verzeichnet dann bei diesen Werten evtl. Buchverluste und muss mit geringerem Einkommen auskommen. Die „Yield on Cost“ (Bruttorendite auf das eingesetzte Kapital) sinkt ebenfalls. Das Unangenehmste daran ist aber der meist unüberschaubare Zeithorizont. Die Länge von Schwächeperioden abzuschätzen oder zu prognostizieren, ob und wann Dividenden wieder auf das alte Niveau angehoben werden, ist oft sehr schwierig. Gerade bei Unternehmen, die ihre Dividende nur einmal jährlich ausschütten, muss man in diesen Fällen unter Umständen 2-3 Jahre auf einen erheblichen Teil des Dividendeneinkommens verzichten.

Um das Risiko von Dividendenkürzungen so gering wie mögich zu halten, kommen einige Branchen für eine Aufnahme in unser Portfolio generell oder zumindest auf absehbare Zeit nicht in Frage. Dabei möchten wir deutlich machen, dass dies nur unsere Sicht im Bereich der Dividendenstrategie ist, für andere Strategien wie z.B. value- oder contrarian-Ansätze (antizyklisches Investieren) mag das ganz anders aussehen.

 

Anfällig für Dividenden-Fallen aus dem Blickwinkel von Income-Investoren sind unserer Meinung nach unter anderem folgende Branchen:

 

  • Automobil-Branche

Bei Daimler AG sind wir z.B. in eine solche Dividenden-Falle „gelaufen“. Zum Zeitpunkt des Einstiegs lag die Dividendenrendite über 6% und die Pay Out Ratio unter 50%, was auf den ersten Blick eine vermeintlich sichere Dividende suggeriert hat. Dass die Gewinne bei zyklischen Werten teilweise extrem schwanken, das Geschäftsmodell nicht krisenfest ist und die Dividenden dann schnell in Gefahr sind, haben wir nicht genug beachtet. Bei Daimler wurde die Dividende von 3,25€ pro Aktie ( Auszahlung 2019) auf 0,90€ pro Aktie (Auszahlung 2020) gekürzt und für 2021 rechnen wir nicht mit einer Trendwende diesbezüglich. Der Kursverlauf spiegelt die Entwicklung wider.

SCS Daimler

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von MarketScreener.com

 

Bei Ford Motor Co. lag die Dividendenrendite über das Jahr 2019 meist zwischen 5% – 7% und die Pay-Out Ratio war mit ca. 45% – 55% ebenfalls ziemlich niedrig.  Anfang 2020 stieg die Dividendenrendite kurzzeitig über 9%, bis dann im März 2020 die Aussetzung der Dividende auf unbestimmte Zeit erfolgte. Der Cashflow ist stark eingebrochen und die Dividende durch die Einnahmen aktuell nicht mehr gedeckt. Durch die Aussetzung spart Ford ca. 2,4 Mrd. USD ein. Geld, das der Autobauer dringend gebrauchen kann. Sieht man sich den Kursverlauf bei Ford an, erkennt man eine große Ähnlichkeit mit dem Chart von Daimler.

SCS Ford

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von MarketScreener.com

 

  • Ölbranche

Unternehmen aus der Ölbranche werden wir in Zukunft ebenfalls nicht mehr in das Portfolio aufnehmen. Die Position von Royal Dutch Shell (RDS.A) im IIP relativ groß werden zu lassen, zählt jedenfalls zu den Fehlern, die wirklich ins Gewicht fallen, weil -gemessen am Gesamt-Dividendeneinkommen von 2019- ca. 6% an Erträgen wegfallen. Zudem ist der Kurs der Aktie um ca. 50% eingebrochen und eine signifikante Erholung des Ölpreises kurzfristig nicht in Sicht.

Bei Exxon (XOM) ist bislang keine Dividendenkürzung erfolgt. Die Rendite liegt bei 7,90% (Stand: 28.07.2020), wobei diese von den Gewinnen und dem Free Cashflow nicht mehr gedeckt ist. Dafür sind die Schulden in den letzten 6 Jahren um 18 Mrd. USD gestiegen. Nach den Zahlen zum 2. Quartal 2020 hat das Management von Exxon bekräftigt, an der Dividende festhalten zu wollen und dafür die Ausgaben massiv zu reduzieren. Ob dies bei einem länger anhaltenden niedrigen Ölpreis gelingen wird, muss man abwarten. Wir bleiben jedenfalls an der Seitenlinie.

Der Ölkonzern BP hat gestern im Zusammenhang mit den Zahlen zum 2. Quartal, welche einen Milliardenverlust ausweisen darüber hinaus bekannt gegeben, die Dividende um 50% zu kürzen. Zudem hat der Konzern einen Strategiewechsel hin zu mehr Erneuerbaren Energien angekündigt, was von den Märkten allerdings positiv aufgenommen wurde.

 

  • Banken-Sektor

Dies ist eine Branche, die wir seit Beginn der Dividenden-Strategie bewusst nicht in das IIP aufgenommen haben und es auch für die Zukunft nicht planen. Im März 2020 hat die EZB die europäischen Banken angehalten, aufgrund der Corona-Krise und deren Unsicherheiten keine Dividenden an die Anteilseigner auszuzahlen. Diese Aufforderung, die ursprünglich nur bis Oktober 2020 befristet war, wurde aktuell von der EZB bekräftigt und bis in das Jahr 2021 verlängert. Unter anderem Banken wie Societe General, BNP Paribas, ING, Unicredit, Commerzbank oder Deutsche Bank gehörten in der Vergangenheit zu den Dividendenzahlern aus dem Sektor in Europa.

Bei den Banken in Kanada und den USA sieht das Bild ein wenig anders aus, hauptsächlich aufgrund der stärker verankerten Dividendenphilosophie. Allerdings wurden die Unternehmen in den USA auch dazu angehalten, ihre Dividenden nicht zu erhöhen. J.P. Morgan, Bank of America oder auch Bank of Nova Scotia haben bislang ihre Dividenden beibehalten. Die Dividendenkürzung von 80% bei Wells Fargo (WFC), einer der größten US-Banken, macht allerdings auch hier deutlich in welch‘ schwierigem Umfeld sich die Branche befindet.

 

  • Luftfahrt- und Reise/Hotel Branche

Die Corona-Krise war kaum vorherzusehen, aber sie hat hier nachvollziehbar extrem hart „eingeschlagen“ und es sieht derzeit auch nicht so aus, als würden in Kürze wieder alte Umsatzzahlen erreicht werden können. Selbst wenn die akute Corona-Krise in Zukunft bspw. durch einen Impfstoff zumindest etwas mehr unter Kontrolle ist, rechnen wir nicht mit sofortiger Reisetätigkeit (auch Dienstreisen) in gleichem Umfang wie vor der Pandemie. Betroffen sind u.a. Unternehmen wie z.B. Lufthansa oder auch Carnival . Ebenso Hotel REITs wie Apple Hospitality REIT (APLE), Chatham Lodging Trust (CLDT) oder Park Hotels (PK). Dividenden wurden gestrichen oder temporär ausgesetzt.

 

Fazit

Dividendenkürzungen bei wenigen, kleineren Positionen lassen sich in Crashs oder Rezessionen in größeren Portfolios meist nicht ganz vermeiden und sind zu verkraften. In Anlehnung an das Titelbild: Verliert ein langer Güterzug einen Waggon am Ende, ist der Schaden nicht allzu groß, bei der Hälfte der Ladung oder einem Entgleisen des Zuges sieht es dagegen schlecht aus. Es gilt daher den Cashflow/Ertrag des Portfolios bestmöglich zu schützen und durch schwierige Zeiten zu navigieren. Die Verlässlichkeit und Planbarkeit der Dividende hat deshalb in Zukunft eine noch höhere Bedeutung im IIP. Eine Ausnahme bilden ganz vereinzelt HighYield Werte, bei denen sich unserer Meinung ein sehr attraktives Chance/Risiko Verhältnis bietet.

Ist absehbar, dass die Dividendenkürzung nur kurz/temporär besteht und das Geschäftsmodell grundsätzlich intakt bleibt, können solche Ereignisse in einigen Fällen auch ein guter Zeitpunkt für Nachkäufe sein.

Das Augenmerk bei der Auswahl der Werte für das International Income Portfolio (IIP) legen wir daher künftig noch stärker auf die Widerstands- und Zukuftsfähigkeit des Geschäftsmodells der jeweiligen Unternehmen.

 

 

Vielen Dank für den Besuch bei Dividende-um-Dividende!

 

 

Hinweis

Die vorgenannten Ausführungen stellen ausdrücklich keine! Kauf/Verkaufsempfehlung dar. Sie spiegeln lediglich unsere Meinung wider und sollen zur Anregung eigener Recherche dienen.

-keine Anlageberatung – 

Investments sind immer auch individuell zu betrachten und nicht jedes Investment passt zum Risikoprofil jeder Person.

Ich / wir sind in Royal Dutch Shell und Daimler investiert.

Der Beitrag wurde mit der größtmöglichen Sorgfalt erstellt. Eine Gewähr für die Richtigkeit der Zahlen/Daten kann allerdings nicht übernommen werden.

 

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