5 Jahre Dividendenstrategie – Erfolge & Lessons Learned

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Start der Reise

Abweichend von der Regel erscheint dieser Beitrag aus der „Ich-Perspektive“, da es unangemessen wäre, eigene Fehler hinter dem Team zu verstecken.

Seit fast genau 5 Jahren verfolge ich die Dividenden-Wachstums-Strategie, nachdem die Phase davor von den verschiedensten Investments in Aktien und Fonds, Staatsanleihen sowie Unternehmensanleihen geprägt war, ohne dass eine konkrete Strategie dahinter gestanden hätte. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich vor 5 Jahren bei fool.com über einen Bericht zur Aktie Realty Income (O) „gestolpert“ bin, und gesehen habe, dass die Dividenden monatlich ausgezahlt werden. Mein Interesse war geweckt. Als ich mir die Zahlen zu Realty Income auf einer deutschen Finanzseite angesehen hatte, habe ich ein Investment sofort verworfen, da das KGV über 35 stand und der Gewinn pro Aktie die Dividende nicht gedeckt hat.

Kurz: Ich hatte keine Ahnung, um was es bei Realty Income geht und dass es sich um einen Real Estate Investment Trust (REIT) handelt, bei dem weder das KGV noch das EPS (earnings per share) aussagekräftig sind. Allerdings habe ich nicht aufgehört zu recherchieren und bin über US-amerikanische Blogger und Finanzseiten wie seekingalpha.com auf die Dividenden-Community und Dividend-Growth-Investing gestoßen. Die Erfolgsgeschichten vieler Blogger mit den offen gelegten Echtgeld-Portfolios, den monatlichen Berichten zu Dividendeneinnahmen und Käufen haben mich inspiriert tiefer in die Dividendenstrategie einzusteigen. Auch wenn mein Ziel nicht der vorzeitige Ruhestand ist, hat die FIRE-Bewegung (Financial Independence Retire Early) und in Teilen auch der Frugalismus mir Anregungen und Motivation gegeben. Etwas Kapital hatte ich zur Verfügung und mit dem 1. Kauf von 70 Anteilen Realty Income zum Kurs von 41 € war ein Anfang gemacht. Von da an gab es kein Halten mehr, ich war „infiziert“.

 

Portfolio & Dividenden

 

  • Das Portfolio hatte zum Start Mitte 2015 einen Gesamtwert von ca. 23.000 € und eine Cash-Reserve war ebenfalls vorhanden. – Aktuell steht das Portfolio bei ca. 147.000 € + 27.000 € Cash-Reserve.
  • Die Dividenden-Einnahmen betrugen im Jahr 2015 ca. 1.200 €. Für das Jahr 2020 werden ca. 6.200 € netto an Dividenden erwartet.

 

Die nachfolgende Grafik veranschaulicht diese Entwicklung

 

Portfolio & Div

 

Mit der insgesamt relativ hohen Dividendenstabilität des International Income Portfolios (IIP) bin ich sehr zufrieden, was sich gerade in der aktuellen Corona-Krise zeigt. Einige Dividenden-Kürzungen musste das IIP hinnehmen, aber die Kern-Werte haben bislang die Dividenden in voller Höhe (im Vergleich zum Vorjahr) gezahlt, oder die Dividende sogar erhöht.  – Realty Income war die erste Aktie nach Beginn der Dividendenstrategie, mittlerweile enthält das Portfolio 27 Werte und weitere werden in den nächsten Monaten/Jahren hinzukommen.

Bei der Asset-Allocation war es das Ziel, Unternehmen auszuwählen, die so viel Qualität aufweisen, dass sie für eine buy-and-hold Philosophie geeignet sind. Im Großen und Ganzen entspricht die aktuelle Zusammenstellung meinen Vorstellungen, wenngleich das IIP noch einige Baustellen aufweist und selbstverständlich noch nicht „fertig“ ist.

Grundstein für den Erfolg der letzten 5 Jahre war die hohe Sparrate, die ein monatliches Investieren mit substantiellen Beträgen erst ermöglicht hat. In der Regel betrug/beträgt die Savingsrate zwischen 50%-60% des Einkommens. Geschafft habe ich das durch eine starke Motivation, Disziplin, Durchhaltewillen und vor allem die Sichtweise, dass dieses Sparen kein Verzicht darstellt, sondern jeder Euro, der investiert wird und einen Ertrag generiert, ein kleiner Schritt auf dem Weg zur Finanziellen Freiheit ist. Auf einem US-blog von Dividendeninvestoren habe ich mal die Schlagzeile „It all comes down to the savings rate“ gelesen und kann dies nur unterschreiben. In aller Regel stammt das für Investments zur Verfügung stehende Kapital aus dem Einkommen und deshalb hat die Sparrate eine enorme Bedeutung. Die Möglichkeit sein Einkommen durch verschiedenste Maßnahmen zu erhöhen sollte man natürlich auch im Blick haben.

 

 Lessons Learned

Wenn man 5 Jahre als Dividend-Growth-Investor hinter sich hat seine Entscheidungen ehrlich reflektiert, kommt man nicht daran vorbei, eigene Fehler festzustellen. An kleineren nicht, aber auch nicht an solchen, die ins Gewicht fallen und „wehtun“.

Die Gier nach Dividenden-Rendite zu kontrollieren ist mir jedenfalls nicht immer gelungen. Darunter fällt z.B. das Investment in den zyklischen Wert Daimler, wo mich eine hohe Dividenden Rendite in Verbindung mit einer damals vermeintlich sicheren Pay-Out Ratio geblendet hat. Dass das Geschäftsmodell nicht krisenfest ist und Dividenden dann stark gekürzt oder gestrichen werden, habe ich bei Seite geschoben. Ähnlich ist es mir bei Royal Dutch Shell gegangen. Dass Öl nicht das Geschäft der Zukunft ist, war augenscheinlich sichtbar und hinzu kommt, dass Shell als Unternehmen vom Öl-/Gaspreis abhängig ist, ohne darauf einen Einfluss zu haben.

Missing the boat (Gelegenheiten verpassen) gehört auch zu den Fehlern, die ich im Laufe der Jahre feststellen muss. Hierzu gehören u.a. wesentliche Trends in der Techbranche bei Unternehmen wie Microsoft, nachdem der neue CEO Nadella das Unternehmen auf Software Abos und die Cloud ausgerichet hat.  Oder auch bei Apple, als deutlich war, dass der Bereich Services und Wearables immer stärker und die Abhängigkeit von den Umsatzzahlen des iPhones reduziert wird. Johnson&Johnson zählt ebenfalls zu den Qualitäts-Werten, die bislang nicht im Portfolio gelandet sind. Ich habe am Steg gestanden und dem abfahrenden Boot hinterhergesehen ohne zu realisieren, dass am Nachbarsteg etwas später noch ein Boot abfährt. Es ist selten zu spät in Qualtität zu investieren. Und wenn eine hohe Bewertung des Unternehmens dem vermeintlich im Weg steht, geht es immer noch über den cost-average Effekt eines Aktiensparplans. Zumindest bei Microsoft habe ich das jetzt begonnen.

Zögern / „Overthink“ – Eine Eigenschaft, die ich mir beim Investieren zumindest teilweise attestieren muss. Gewissenhafte Recherche und Analyse sind unbestreitbar wichtig, um zu wissen in was für ein Unternehmen man investiert. Aber gute Gelegenheiten sollte man ebenfalls nutzen. Das Zitat von Warren Buffett: „Wenn du heute eine hervorragende Gelegenheit entdeckst, warte nicht darauf, dass du morgen noch eine bessere findest“(frei übersetzt), ist meiner Meinung nach treffend. Ich denke in dem Zusammenhang zum Beispiel an die Kurse bei MunichRe von ca. 140€ oder AbbVie bei ca. 62€ im März 2020 während der Corona-Krise. Dass die Geschäftsmodelle beider Unternehmen nicht durch Corona wegbrechen war eindeutig und die Bewertung mehr als günstig. Aber ich habe gezögert und gehofft, die Kurse fallen vielleicht noch etwas tiefer (auch eine Form von Gier). Solche Gelegenheiten halten normalerweise nicht lange und so war es auch in diesem Fall. In Rekordgeschwindigkeit haben MunichRe und Abbvie wieder Kurse von über 230€ bzw. 87€ erreicht.

Börsenpsychologie ist ein nicht zu unterschätzender Faktor, wenn es um den Erfolg geht. So einige glauben ein „eiskalter, emotionsloser Investor“ zu sein, der rein rational seine Entscheidungen trifft. Die Emotionen zu kontrollieren ist allerdins in der Praxis weit schwieriger als in der Theorie. Ich erwische mich jedenfalls immer mal wieder bei emotionalen Entscheidungen, aber ich versuche auch in dem Bereich noch besser zu werden.

 

Ausblick

Im Rückblick auf die letzten 5 Jahre kann ich jedenfalls feststellen, dass ich keinen einzigen Tag bereut habe, die Dividenden-Wachstums-Strategie ausgewählt zu haben. Es ist keine Strategie mit der man auf den einen „großen“ Treffer hoffen muss oder schnell reich wird. Vielmehr ist konstantes Investieren über einen langen Zeitraum erforderlich, um dem Zinses-Zins Effekt zu seiner vollen Macht zu verhelfen. „Slow and steady wins the race!“ Die Dividenden-Wachstums-Strategie erfordert insbesondere Geduld, Diziplin und Durchhaltewillen, weil der Weg zur Finanziellen Unabhängigkeit lang und bisweilen auch mit Hindernissen versehen ist. Aber: „Difficult roads often lead to beautiful destinations“.

Für die Zukunft habe ich mir einiges vorgenommen und möchte natürlich aus den Erfahrungen der vergangenen 5 Jahre lernen und profitieren. Folgende Punkte stehen dabei insbesondere auf meiner „To Do-Liste“:

  • Steigerung der Dividenden-Einnahmen pro Jahr um ca. 1.000 €
  • Sparrate größtenteils halten – Cashreserve erhöhen (je nach Marktlage)
  • Portfolio Zusammenstellung optimieren – Daimler, freenet bei Gelegenheit aussortieren, Royal Dutch Shell reduzieren
  • Weitere Internationale Werte hinzunehmen wie bspw. Brookfield Renewable Partners, NTT Docomo
  • Kompetenzen im HighYield Income Bereich erweitern
  • Tech und Pharma Werte ausbauen
  • Immobilien Projekte fortführen

 

Ich freue mich jedenfalls auf die nächsten 5 Jahre mit der Dividenden-Wachstums-Strategie und bin gespannt, welche Gelegenheiten Mr. Market uns Investoren bietet. Eine der wesentlichen Vorraussetzungen für langfristigen Erfolg bei der Dividenden-Wachstums-Strategie ist meiner Meinung nach auch das Mindset. Auf dem langen Weg werden Hindernisse, Schwierigkeiten und Rückschläge kommen (bspw. unerwartete Ausgaben, veränderte Lebenssituationen, Dividendenstreichungen etc.). In diesen Fällen nicht aufzugeben, sondern durchzuhalten und einen Weg zu finden ist entscheidend. Die Frage ist, welchen Stellenwert das Ziel der Finanziellen Unabhängigkeit hat. „How bad do you really want it?“ – Das nachfolgende Zitat erinnert mich immer wieder daran, dass man für Erfolg manchmal auch seine Komfortzone verlassen muss.

 

SCS Mindset Growth

 

 

Vielen Dank für den Besuch bei Dividende-um-Dividende!

 

 

Hinweis

Die vorgenannten Ausführungen stellen ausdrücklich keine! Kauf/Verkaufsempfehlung dar. Sie spiegeln lediglich unsere Meinung wider und sollen zur Anregung eigener Recherche dienen.

-keine Anlageberatung – 

Investments sind immer auch individuell zu betrachten und nicht jedes Investment passt zum Risikoprofil jeder Person.

Ich / wir sind in Realty Income, Microsoft, Daimler, freenet und Royal Dutch Shell investiert.

Der Beitrag wurde mit der größtmöglichen Sorgfalt erstellt. Eine Gewähr für die Richtigkeit der Zahlen/Daten kann allerdings nicht übernommen werden.

 

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