Dividendenstrategie – Durch Corona in einer Sackgasse?

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Ausgangslage

Nach den extremen Kursrückgängen mit Rekordgeschwindigkeit an den Börsen im Monat März, haben die Indizes im April 2020 eine ebenso schnelle, signifikante Gegenbewegung gestartet. Ist der Crash damit vorbei? Ist es die V-förmige Erholung der Wirtschaft? Alles jetzt schon wieder auf dem Weg zur Normalität und dem status quo von vorher?

Aus unserer Sicht: Eher nicht! Es scheint etwas zu viel Euphorie im Markt zu sein, wenn man sich die nach wie vor bestehenden Unsicherheiten und fundamentalen Daten vor Augen führt. Ca. 30 Millionen Arbeitslose in den USA innerhalb von wenigen Wochen und ein Turnaround auf dem Arbeitsmarkt ist längst nicht in Sicht. Viele Unternehmen stehen vor dem Aus, Kredite können nicht bedient werden und von Konsumfreudigkeit der Verbraucher kann keine Rede sein. Auch wenn eine vorsichtige Öffnung gelingen sollte gehen wir davon aus, dass Vieles nicht automatisch so sein wird wie vor der Krise. Werden die Menschen in gleichem Maße reisen und fliegen wie vorher? Werden Restaurants, Kinos, die Autoindustrie oder die Hotelbranche ähnliche Umsätze erzielen wie in den vergangenen Jahren? Werden Unternehmen aktuell etwas risikoreichere Investitionen durchführen? Die Liste könnte man bestimmt noch weiter fortsetzen, aber die Antwort auf all diese Fragen lautet unserer Meinung nach: NEIN! Zumindest für einen längeren, unbestimmbaren Zeitraum.

Auf der anderen Seite sollte man aber auch nicht die Billionen-Hilfspakete der Zentralbanken ausser Acht lassen, die u.a. unvorstellbare Liquidität in den Markt pumpen. – „Don’t bet against the Fed“ ist ein passendes Sprichwort in dem Zusammenhang. Auf lange Sicht wird sich die Wirtschaft erholen, neue Innovationen entstehen und der Verbraucher wieder ausgabenfreudiger werden. Und da die Märkte eine Entwicklung gerne vorwegnehmen, kann man die steigenden Kurse zumindest erklären.

Es gibt also für eher negative, aber auch für positive Szenarien gute Argumente. Eine präzise Vorhersage, welchen Weg die Wirtschaft und die Börsen genau einschlagen werden, ist aufgrund der bis jetzt verfügbaren Daten für uns nicht seriös möglich und wäre Spekulation.

Die Dividenden-Wachstums-Strategie  basiert in erster Linie auf den regelmäßig ausgeschütteten Erträgen der im Portfolio befindlichen Unternehmen sowie der Re-Investition der Dividenden, um vom Zinses-Zins Effekt zu profitieren. Voraussetzung dafür ist selbstverständlich eine solide Gewinnentwicklung der Unternehmen auf lange Sicht, da sonst die Dividenden nicht gezahlt werden können.

Die Corona-Krise mit ihren in der Historie unvergleichlichen Auswirkungen auf die Unternehmen führt dabei zu enormen Unsicherheiten und Herausforderungen, sowohl für die Firmen als auch für die Investoren. – In den letzten Wochen erreichen uns fast täglich Meldungen von Unternehmen, die ihre Dividende aussetzen, kürzen oder bis auf Weiteres komplett streichen. Darunter fallen zum Beispiel folgende Unternehmen (nicht abschließend):

  • Lufthansa, Delta Airlines
  • Royal Dutch Shell, Occidental Petroleum, Schlumberger, Apache Corp.
  • BMW, General Motors, Ford, Continental
  • Boeing
  • Disney
  • LVMH, Veolia Environment
  • freenet
  • Commerzbank, Deutsche Bank
  • Invesco
  • Apple Hospitality REIT, Chatham Lodging Trust, Park Hotels, Carnival
  • Hamborner REIT (Div unter Vorbehalt gestellt)
  • Weyerhaeuser REIT
  • Sabra Health Care
  • AGNC Investment Corp.
  • Westrock

Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Wochen und Monaten noch eine signifikante Anzahl von Unternehmen Dividendenkürzungen/Streichungen bekannt geben werden. Auch für 2021 sollte man einkalkulieren, dass z.B. die jährlich ausschüttenden Unternehmen ihre Dividende kürzen oder streichen, wenn für das Jahr 2020 die Gewinne weggebrochen sind.

 

Income Investor Focus

 – Was folgt daraus im Allgemeinen? – Da unser Ansatz beim Vermögensaufbau ganz langfristig ausgerichtet ist und wir davon ausgehen, dass die Corona-Krise letztlich temporär ist, versuchen wir in dieser Lage, Qualitätsunternehmen zu möglichst niedrigen Preisen einzusammeln und investieren regelmäßig weiter. Wir gehen aber ebenfalls davon aus, dass die Wirtschaft und viele Unternehmen etwas länger brauchen werden, um sich vollständig zu erholen und in den kommenden Monaten die Wahrscheinlichkeit von Kursrückschlägen und negativen Quartalszahlen ziemlich hoch ist. Auch dann möchten wir reagieren und erneut nachkaufen können. Aus diesem Grund lassen wir die Cash-Reserve derzeit weitestgehend noch unangetastet.

 – Was bedeutet das konkret? – Der jährliche Ertrag des International Income Portfolios ist für uns der wichtigste Baustein der Dividendenstrategie und daher gilt es diesen unter allen Umständen  zu erhalten. Bei der Auswahl der Unternehmen werden wir noch stärker als ohnehin schon auf die Verlässlichkeit und Zukunftsfähigkeit der Dividende achten. Bei der Chance/Risiko-Abwägung wird die Sicherheit der Dividende im absoluten Vordergrund stehen und nicht besondere HighYield Rendite-Möglichkeiten. Hinzu kommt, dass wir das IIP auf Werte überprüfen, die nicht mehr unseren Anforderungen entsprechen. Mit dem Verkauf von Weyerhaeuser REIT sind wir (glücklicherweise) der Streichung der Dividende noch zuvor gekommen. Bei WestRock und freenet müssen wir die Dividendenkürzung vorerst hinnehmen. Die größte Auswirkungen auf den Cashflow des IIP hat bislang die Dividendenkürzung von Royal Dutch Shell um 66%. Aktuell halten wir an der Position noch fest, da inmitten der Krise wahrscheinlich nicht der Beste Zeitpunkt für einen Verkauf ist. Allerdings überdenken wir unser Engagement im Ölsektor und bei Shell. Eine mittelfristige Reduzierung der Position ist dabei die wahrscheinlichste Option.

Die Corona-Krise wird die Digitalisierung in fast allen Bereichen des Lebens enorm beschleunigen und eine Katalysator-Funktion einnehmen. Wir werden dies bei dem Ausbau des IIP berücksichtigen, uns noch intensiver damit beschäftigen und einen Focus auf Technologie-Dividenden-Werte legen. Auf unserer Tech-Watchlist stehen unter anderem derzeit folgende Werte:

 

  • Microsoft

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  • Apple
  • Cisco Systems
  • IBM
  • VISA
  • Mastercard
  • Broadcom
  • Texas Instruments
  • Intel

 

 

Ein weiterer Sektor, der bislang im International Income Portfolio ebenfalls etwas unterrepräsentiert war, ist der Pharma/Biotech-Bereich. Auch dort werden wir schwerpunktmäßig nachkaufen bzw. neue Werte in das Portfolio aufnehmen. Auf unserer Pharma/Biotech-Watchlist stehen unter anderem folgende Werte:

  • Bristol-Myers Squibb

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  • AbbVie
  • Pfizer
  • Merck & Co
  • Johnson&Johnson
  • Amgen
  • Gilead Sciences
  • GlaxoSmithKline
  • Bayer
  • Takeda Pharmaceutical

 

Fazit

Die Zeiten, in denen fast alle Unternehmen des Portfolios Jahr für Jahr ihre Dividenden angehoben haben und die Dividendenstrategie fast auf Autopilot lief, sind definitiv vorbei. Es ist als Income Investor schwieriger geworden, sein Portfolio in diesem neuen Umfeld zu navigieren. Aber ist es durch Corona eine Sackgasse geworden? – NEIN! – Gerade in diesen Zeiten, wo es weder bei Anleihen, noch auf Tagesgeldkonten, noch durch leicht zu erzielende Kursgewinne sichere Renditen gibt, sind Dividenden –  auch wenn sie etwas reduziert fließen – ein verlässlicher Stabilitätsfaktor. Voraussetzung ist eine ausreichende Diversifikation und Auswahl der Portfolio-Werte.

Krisen bieten immer auch Chancen und in 10 Jahren wird man vielleicht gefragt werden, ob man während der Corona-Krise investiert und sich bietende Chancen genutzt hat.

Die  Dividenden-Strategie ist durch die Corona-Krise nicht in einer Sackgasse – die Fahrspur ist nur etwas schmaler geworden.

 

 

Vielen Dank für den Besuch bei Dividende-um-Dividende!

Wir wünschen allen Lesern und Followern viel Erfolg bei den Investments und viel Glück auf dem individuellen Weg durch diese Krise. Bleibt gesund!

 

 

Hinweis

Die vorgenannten Ausführungen stellen ausdrücklich keine! Kauf/Verkaufsempfehlung dar. Sie spiegeln lediglich unsere Meinung wider und sollen zur Anregung eigener Recherche dienen. -keine Anlageberatung-

Investments sind immer auch individuell zu betrachten und nicht jedes Investment passt zum Risikoprofil jeder Person.

Ich / wir sind in AbbVie, Bristol-Myers Squibb, IBM, Cisco Systems, Texas Instruments und VISA investiert.

Der Beitrag wurde mit der größtmöglichen Sorgfalt erstellt. Eine Gewähr für die Richtigkeit der Zahlen/Daten kann allerdings nicht übernommen werden.

 

 

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