Dividenden Investment Ideen – Vive la France!

Posted by div2div on 12. April 2020 in Aktien

 

SCS Frankreich

Sehr viele Einkommens-Investoren legen seit jeher einen Schwerpunkt auf amerikanische Dividendenwerte, da dort Shareholder-value Grundsätze, die   Zuverlässigkeit der Zahlungen sowie die Unternehmensphilosophie in Bezug auf die Dividenden weltweit Ihresgleichen sucht. In Deutschland gibt es einige positive Ausnahmen, aber wirklich nachhaltige Dividendenpolitik steckt hier oft noch in den Kinderschuhen. Neben der Schweiz, Großbritannien und den Niederlanden, welche ebenfalls viele traditionsreiche Unternehmen mit einer langen Dividendenhistorie aufweisen, kommt ein Land unserer Meinung nach im Fokus der Investoren manchmal etwas zu kurz: Frankreich! 

Dieser Umstand ist mit Sicherheit auch zum Teil der diffusen Quellensteuerregelung geschuldet, aber mittlerweile gibt es hier praktikable Lösungen. Dazu später mehr. 

In einer kleinen Serie zu Frankreich möchten wir einen kurzen Überblick über Unternehmen geben, die unserer Ansicht nach langfristig für Income-Investoren attraktiv sein können. In Teil 1 der Serie stellen wir LVMH, Air Liquide, Danone und Axa mit Stand 12.04.2020 vor.

 

I.

LVMH

Wenn man von Luxus-Accesoires spricht, fällt meistens spontan der Name Louis Vuitton. Das charakteristische Label, welches Taschen und diverse Accesoires ziert, ist aus der Lifestyle-Szene nicht   mehr   wegzudenken.   Kaum   ein   Produkt   wird   mehr  von   der Plagiatsindustrie   kopiert   als   jene von Louis   Vuitton.   Die   Wenigsten   wissen   allerdings, welches Imperium hinter dieser Marke steckt. Gegründet  wurde LVMH 1987 durch die Fusion der Firmen Louis Vuitton und  Moët Hennessy. Dabei wurden 3 französische Traditionsmarken unter einem Dach firmiert. Der Koffer- und Taschenhersteller Louis Vuitton, der Champagnerhersteller  Moët et Chandon und   der   Cognacproduzent   Hennessy.   Der   Aufstieg   des Unternehmens   begann,   als   der französische Geschäftsmann und Eigentümer von Christian Dior, Bernard Arnault, anfing Anteile an LVMH zu erwerben. 1988 übernahm Arnault 45% von LVMH und konnte sich 1989 gegen den Willen der Eigentümerfamilien als Präsident des Konzerns positionieren. Ab diesem Zeitpunkt begann der rasante Aufstieg des Unternehmens, welcher heute Branchenführer mit über 70 verschiedenen Luxusmarken ist. 

Die Marktkapitalisierung von LVMH beträgt aktuell 175,44 Milliarden Euro. Für das Jahr 2020 wird eine Dividende von 7,01 € erwartet, was beim derzeitigen Kurs einer Dividendenrendite von 2,02% entspricht. Dies ist zwar ein Wert, der unter unserer favorisierten Startdividende von ca. 3% liegt, allerdings weist LVMH seit Jahren eine beachtliche Dividendensteigerungsrate auf (siehe Grafik). Die ganz aktuell angekündigte Dividendenkürzung aufgrund der Corona-Krise auf 4,80 € pro Aktie ist jedoch ein echter „Rückschlag“ aus Sicht von Income-Investoren.

LVMH konnte parallel den Gewinn pro Aktie stetig steigern, von 7,92 € im Jahr 2016 auf 14,25 € im Jahr 2019. Für 2022 werden bereits 18,42 € geschätzt. Diese herausragende Gewinnsteigerung trägt dazu bei, dass die Sicherheit der Dividende aufgrund einer Pay-Out Ratio von unter 50% sehr hoch ist und genügend Spielraum für weitere Dividendensteigerungen bietet.

SCS LVMH Div

SCS LVMH Profit

Quelle beider Grafiken: Investor Presentation LVMH

Auch wenn im Moment auf Grund der Corona-Krise temporär von einem Umsatzrückgang auszugehen, und das Ausmaß der Krise schwer abzuschätzen ist, denken wir, dass die herausragende Marktstellung im Segment der Luxusartikel, kombiniert mit einem starken Markennamen langfristig den Weg für weiteres Wachstum ebnen wird. Die diversifizierte Ausrichtung von LVMH, auch in aufstrebenden Ländern mit steigender Mittelschicht sehen wir ebenfalls als Pluspunkt an. Im Ergebnis für Income Investoren ein durchaus interessanter Wert. Die aktuelle Dividendenkürzung ist allerdings ein echter „Rückschlag“ aus Sicht von Einkommens-Investoren.


 

II.

Air Liquide

Wenn es um technische Gase geht, fallen weltweit sofort zwei Namen. Die deutschstämmige Linde plc und die französische Air Liquide. Air Liquide ist führend im Bereich von Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. Das Unternehmen ist in 80 Ländern aktiv. Gegründet wurde die Air Liquide 1902 durch Georges Claude und Paul Delorme, welche einen Weg gefunden hatten, wie man Luft zerlegen bzw. verflüssigen kann. Bereits 1906 begann die internationale Expansion von Air Liquide. 1913 erfolgte der Börsengang an der Pariser Wertpapierbörse. Nach dem 2. Weltkrieg startete das Unternehmen seine großindustriellen Aktivitäten und begann auf internationaler Ebene mit dem Aufbau von Pipelinenetzen zur Versorgung großer Industriegebiete mit Industrie- und Edelgasen. Ab Anfang der 60er-Jahre startete man mit ersten industriellen Aktivitäten in der Raumfahrt. In den  Folgejahren  expandierte das Unternehmen vor allem in den USA und wurde zu einem Branchenführer im Bereich der  medizinischen   Gase.   1996   übernahm   die Air Liquide den deutschen Desinfektionsmittelhersteller Schülke & Mayr. Im Jahr 2001 folgte dann die Übernahme des Edelgasproduzenten Messer Griesheim und dessen weltweit angesiedelten Produktionsstandorten. Seitdem hat Air Liquide seine Marktmacht im Bereich von medizinischen Gasen sowie dem Bereich Desinfektion durch weitere Übernahmen ausgebaut. 2015 eröffnete der Konzern die größte Produktionsanlage für Wasserstoff. Heute besitzt Air Liquide ein Pipelinenetz für Industriegase mit einer Gesamtlänge von 8.200 km.  

Die Marktkapitalisierung von Air Liquide beträgt aktuell 56,1 Milliarden Euro. Die Dividendenhistorie des Unternehmens kann man definitiv als verlässlich bezeichnen, da seit 30 Jahren die Auszahlung nicht mehr gesenkt und zudem fast regelmäßig erhöht wurde. Dies hat der Aktie unter französischen Ruheständlern den Beinamen „Air Solide“ eingebracht. Seit 2016 ist die Dividende allerdings nur leicht von 2,60 € auf 2,70 € im Jahr 2019 erhöht worden. Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei 2,38%. Der Gewinn pro Aktie bewegte sich in den letzten Jahren ebenfalls auf konstantem Niveau. Die Pay-Out-Ratio mit knapp über 50% ist moderat und ein Garant für weitere Dividendensicherheit.

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Quelle: Investor Presentation Air Liquide

Durch das grundsolide Geschäftsmodell, die hohe Spezialisierung sowie eine enge Kundenbindung hat sich Air Liquide einen relativ tiefen Burggraben erarbeitet. Dies dürfte insbesondere langfristig weiteres für Wachstum und mehr oder weniger sichere Gewinne sorgen. Spannend finden wir darüber hinaus auch die Positionierung von Air Liquide im möglichen Zukunfsmarkt Wasserstoff. Insgesamt ist Air Liquide ein Wert, welcher aus der zyklischen Industriebranche positiv heraussticht.


 

III.

Danone

Neben den bekannten europäischen Lebensmittelkonzernen Nestlé und Unilever ist der französische Getränke- und Lebensmittelkonzern Danone ein weiteres europäisches Schwergewicht. Der Konzern ist international in 120 Ländern vertreten. In den USA firmiert Danone unter dem Handelsnamen Dannon. Danone ist hauptsächlich ein Molkereikonzern, da ca. 50% des Geschäftsfeldes die Erzeugung und Weiterverarbeitung von Milchprodukten ausmacht. Weitere Geschäftsfelder sind Babynahrung, Wasser und   Sonderkost bzw. Trinknahrung. Die Gründungsgeschichte geht auf das Jahr 1919 zurück. Ursprünglich wurde Danone nicht in Frankreich sondern in Spanien gegründet. Während des 2. Weltkriegs und der deutschen Besatzung in Frankreich befand sich der Firmensitz von Danone bis 1958 in New York und wurde erst danach wieder nach Frankreich verlegt. Im Bereich der Milchfrischeprodukte ist Danone aktuell der Marktführer in Deutschland. Mit Actimel hat Danone die erfolgreichste Lebensmittelmarke im Einzelhandel in Deutschland im Sortiment. Im Segment der Kindermilchprodukte ist man mit der Marke Fruchtzwerge ebenfalls Marktführer. Bekannte Marken des Konzerns in der Sparte Kindernahrung sind Aptamil und Milupa. Im Bereich der stillen Mineralwasser vertreibt Danone unter dem Firmennamen Danone Waters die bekannten Marken Evian und Volvic.

Die Marktkapitalisierung von Danone beträgt akutell 38,02 Milliarden Euro. Seit 2016 wurde die Dividende von 1,70 € auf 2,10 € im Jahr 2019 erhöht. Für das Jahr 2022 werden sogar 2,38 € prognostiziert. Bei dem Gewinn pro Aktie werden in 2020 3,69 € erwartet, wodurch sich eine Pay-Out-Ratio von 57% sowie eine Dividendenrendite von 3,61% ergibt. Die Dividendenrendite liegt damit im sogenannten Sweet-Spot zwischen 3%-4%. Damit dürfte ausreichend Luft für weiterhin sichere Dividendenausschüttungen vorhanden sein. Danone zahlt seit Anfang der 90er-Jahre durchgehend eine Dividende, welche seitdem kontinuierlich erhöht wurde.

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Quelle: Investor Presentation Danone

Auf Grund der Treue zur Dividende und der starken Marktstellung im Bereich der Nahrungsmittelindustrie ist Danone für  langfristig orientierte Inocme-Investoren sicherlich ein sehr interessanter Wert aus dem Consumer-Sektor.


IV.

AXA

Die AXA-Gruppe ist eine in 64 Ländern tätige, französische Versicherungsgesellschaft. Versichert werden Privatpersonen sowie Unternehmen. Die AXA-Gruppe ist einer der größten Versicherungskonzerne und Vermögensmanager der Welt. Zu den Hauptprodukten zählen Schadens- und Unfallversicherungen, private Vorsorgeprodukte wie Lebens- und Krankenversicherungen, Lösungen für die betriebliche Altersvorsorge sowie Vermögensanlagen und Finanzierungen. Die Angebotspalette richtet sich an Privatkunden und Firmen- bzw. Gewerbekunden gleichermaßen. Die AXA wurde 1816/1817 unter dem Namen  Mutuelle de L’assurance contre L’incendie in Frankreich gegründet. Die Gruppe wuchs durch mehrere Übernahmen zu ihrer heutigen Größe heran. Die Marktkapitalisierung der AXA-Gruppe wird aktuell mit 37,54 Milliarden Euro beziffert. 

Die Dividendenrendite ist aufgrund des Kursrückganges mit 9,64% in astronomische Höhen gestiegen und garantiert jedenfalls sofortige Aufmerksamkeit. Allerdings signalisiert eine derart hohe Dividendenrendite zumindest auch, dass etwas Vorsicht geboten ist. Bei dem Blick auf die Dividendenhistorie von AXA fällt auf, dass in Krisenzeiten wie z.B. 2002 und 2008 deutliche Dividendenkürzungen erfolgt sind. Ob dies auch in der aktuellen Corona-Krise eine Option für das Management sein wird, bleibt abzuwarten. Bislang war die AXA-Gruppe noch voll im Plan, die Ziele für 2020 zu erreichen.

SCS AXA Outlook

Quelle: Investor Presentation AXA

In der Gesamtschau ist die AXA-Gruppe als einer der ganz großen Versicherungskonzerne in Europa für Einkommens-Investoren auf jeden Fall einen zweiten Blick wert. Allerdings sind wir aufgrund der Kürzungen der Dividende in der Vergangenheit bei AXA eher etwas zurückhaltend. 

 

Aspekte der Quellensteuer

Nachdem wir hier nun einige interessante Dividendenwerte aus Frankreich vorgestellt haben, stellt sich die Frage, warum französische Aktien meist unter dem Radar der Investoren fliegen. Wir können uns diese Frage nur so erklären, dass Investoren Frankreich bewusst wegen der Quellensteuerproblematik meiden. Vor einiger Zeit sind wir über einen Artikel auf dem von uns geschätzten Dividenden-Blog Divantis gestoßen. Dort wurde ein relativ einfacher Weg aufgezeigt, wie man die französische Quellensteuerproblematik umgehen kann. Die meisten deutschen Broker führen auf französische Aktien eine Quellensteuer von 30% ab. Eine Vorabbefreiung der französischen Quellensteuer ist dann möglich, wenn den französischen Finanzbehörden eine deutsche Wohnsitzbescheinigung vorgelegt wird. Dieser „Service“ der Übermittlung wird von vielen Banken und Brokern aber nicht angeboten. Eine der Ausnahmen ist die Deutsche Kredit Bank, kurz DKB. Nach Depoteröffnung kann man sich im Anschluss die benötigten Formulare für sein zuständiges Finanzamt zuschicken lassen. Diese sendet man dann zur Wohnsitzbestätigung an das Finanzamt und reicht die Formulare später wieder bei der DKB ein. Für ein Entgelt von 11,90 € übernimmt die DKB den Rest und   teilt den französischen Steuerbehörden die benötigten Daten zur Vorabbefreiung mit. Dieser Service ist für 3 Jahre gültig und muss dann wiederholt werden.

– Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dies keine Empfehlung für einen Broker im Allgemeinen ist. Die generellen Konditionen der DKB in Bezug auf Ordergebühren und die Möglichkeit des Handels auch von speziellen Werten sind uns im Detail nicht bekannt. –

 

Vielen Dank für den Besuch bei Dividende-um-Dividende!

Euch und Euren Familien in diesen unruhigen Zeiten alles Gute. Bleibt gesund!

 

 

 

Hinweis:

Die vorgenannten Ausführungen stellen ausdrücklich keine! Kauf/Verkaufsempfehlung dar. Sie spiegeln lediglich unsere Meinung wider und sollen zur Anregung eigener Recherche dienen. -keine Anlageberatung-

Investments sind immer auch individuell zu betrachten und nicht jedes Investment passt zum Risikoprofil jeder Person.

Das Zahlenmaterial stammt von onvista.de sowie den jeweiligen Websiten der Unternehen.

Der Beitrag wurde mit der größtmöglichen Sorgfalt erstellt. Eine Gewähr für die Richtigkeit der Zahlen kann allerdings nicht übernommen werden.

 

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