Im Auge des Sturms

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Ausgangslage

Seit dem Artikel vom 27.02.2020 Ausverkauf an den Börsen – Discount für Qualitätswerte? hat sich die Lage mit extremer Geschwindigkeit verändert und verschlechtert. Das genaue Ausmaß der Folgen für die Wirtschaft und die Unternehmen ist zwar weiterhin nicht seriös zu beziffern, aber mehr und mehr wird klar, dass ein kompletter Shutdown in fast allen Lebensbereichen nicht nur zu kleinen oder mittleren schmerzlosen Einschnitten führen wird. Soziale Distanzierung als Vorgabe, über die Schließung von den meisten Geschäften bis hin zu Ausgangsperren sind Dinge, die sich kaum einer in Europa und den USA vor ein paar Wochen so einfach hätte vorstellen können. Wir auch nicht, kein Zweifel. Nun sind viele dieser Maßnahmen Realität, mit der Frage, wie lange dieser Zustand notwendig ist. Eine Antwort darauf wäre zum jetzigen Zeitpunkt allerdings reine Spekulation.

Die weltweite Verbreitung des Corona-Virus trifft die globalisierte Wirtschaft, die sich auf arbeitsteiliges Arbeiten eingestellt hat (bspw. Forschung/Entwicklung in dem einen Land, Montage in anderen Ländern etc.), jetzt mit voller Wucht. Auch die Maßnahmen zur Eindämmung werden von Land zu Land unterschiedlich umgesetzt. Die zum Teil panischen Reaktionen an den Börsen weltweit spiegeln wider, dass eine enorme Unsicherheit und Angst bei den Anlegern, den Unternehmen, der Bevölkerung und den Politikern herrscht.

Über den Shutdown hinaus wird dies auch Auswirkungen auf das Kaufverhalten der Bürger in Zukunft haben. Die meisten werden ihr Geld vorerst eher zusammenhalten und nur die notwendigsten Ausgaben tätigen. Absolut verständlich wenn man  nicht weiß, ob der Job überhaupt noch sicher ist. Dies wird aber wiederum negative Effekte auf die Wirtschaft haben, auch wenn die ganz akute Phase des Shutdowns beendet ist. Wie tiefgreifend die Rezession sein wird, lässt sich auch hier von uns nicht prognostizieren.

Wir können alle nur hoffen, dass die Entwicklung von Impfstoffen schnell voran schreitet, wirksame Medikamente für die Schwerkranken entdeckt werden und dass die Maßnahmen der sozialen Distanzierung befolgt werden, damit eine Chance besteht, dass sie auch erfolgreich sind.

 

Income Investor Focus

Die aktuelle Krise ist beispiellos in der jüngeren Geschichte und auch deswegen von großer Unsicherheit geprägt. – Wir sind der Ansicht, dass es keinen Königsweg gibt, sondern die Reaktion jedes einzelnen Investors individuell an seinem Risikoprofil und seiner Strategie ausgerichtet werden muss (Job-Sicherheit, Lebensalter, Höhe der Rücklagen, Liquidität für Zukäufe etc.).

Nichts desto trotz halten wir es für falsch, nur in „sonnigen“ Zeiten an den Märkten aktiv zu sein und Aktien bei teilweise hoher Bewertung zu kaufen. Es gibt dazu so einige bekannte Börsenweisheiten, die eingängig und vernünftig klingen, in der Praxis einer so außergewöhnlich drastischen Krise aber nicht immer ganz einfach umzusetzen sind.

„Buy when there’s blood in the streets, even if the blood is your own.“ (Baron Rothschild).

„The way to make money is to buy when blood is running in the streets.“ (John D. Rockefeller)

 

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Und natürlich auch von der Investment-Legende Warren Buffett, dessen Weitsicht und tiefgreifendes Verständnis von echten, langfristig angelegten Investments für uns auch ein Vorbild ist.

 

„Be fearful when others are greedy and greedy when others are fearful“ (W. Buffett)

 

 

 

Unsere Strategie in der aktuellen Lage

Wie tief es an den Märkten noch gehen wird und wann die Panik sich legt, können wir nicht einschätzen. Wir glauben aber, dass aktuell der Boden noch nicht erreicht ist, da weder die Pandemie in den westlichen Ländern abflaut, noch die Länge des shutdowns und deren Auswirkungen absehbar ist. Wir rechnen daher mit sukzessive weiter fallenden Kursen. Es wird auch immer mal wieder Tage einer Gegenbewegung geben, wahrscheinlich aber eher vereinzelt. Insbesondere auch deshalb, weil wir den Boden nicht vorhersagen können und „Market-Timing“ nicht zu unserer Strategie gehört, werden wir das regelmäßige Investieren beibehalten. Wir werden dies im Moment noch in kleinen Schritten durchführen, um Liquidität vorzuhalten und zumindest auch weiterhin noch reagieren zu können.

Gibt es „sichere Häfen“? – Wir sehen aktuell wenige. Normalerweise flüchten Anleger in Krisen in vermeintlich eher sichere Anlagen wie Bonds und Immobilien. Eine Umschichtung in andere Anlageklassen kommt für uns nicht in Frage. In der Hochphase einer extremen Krise Anteile  von grundsätzlich soliden Unternehmen zu verkaufen, ist gerade bei unserer langfristig angelegten Dividendenstrategie kontraprodukitv. Dass die Krise fast alle Bereiche betrifft, kann man auch gut an der Anlageklasse der Real Estate Investment Trusts erkennen, die ebenfalls hohe Kursverluste verzeichnet. Healthcare REITs wie Ventas, Welltower oder Omega Healthcare Investors fallen aufgrund der Sorge, dass die Altenheime und skilled nursing facilities besonders betroffen sein könnten und in Folge die Unternehmen, die diese Einrichtungen betreiben (die Mieter der REITs)  in Schwierigkeiten kommen könnten. Aber auch so grundsolide Unternehmen wie zB. Realty Income verzeichnen hohe Kursverluste aus Sorge vor Problemen der Mieter. So gehören zB. die Kinokette AMC Theaters oder auch LA Fitness zu den größeren Mietern bei Realty Income.

Grundsätzlich rechnen wir auch mit Dividendenkürzungen oder Streichung der Dividende bei einigen Unternehmen (für Income Investoren eines der schlechtesten Szenarien). Dies wird teilweise aktuell erfolgen (siehe Lufthansa), aber bei vielen höchstwahrscheinlich dann, wenn die Gewinne massiv einbrechen und es sich über einen längeren Zeitraum hinzieht. Dass viele deutsche Unternehmen ihre Haupversammlungen auf den Sommer oder Herbst verlegt haben und die Dividende nicht wie gewohnt im Mai ausgezahlt wird, ist eine aktuelle Entwicklung.

Bei HighYield Werten, die oft schon in normalen Zeiten ein höheres Risiko aufweisen, werden wir im Moment noch abwarten, bis sich herausstellt, welche Werte am besten mit der Krise zurecht kommen. Dass Aktien aus der Hotel-REIT Branche wie Apple Hospitality REIT oder aus der Freizeitbranche wie EPR Properties teilweise 60%-70% an Wert verlieren, Tendenz steigend, verwundert nicht, ist aber schon erschreckend.

Unser Fokus liegt auf Dividenden blue-chip Werten, bei denen wir Stück für Stück nachkaufen bzw. auch neue Positionen eröffnen werden. Dazu gehören aktuell folgende Werte:

  • AbbVie
  • AT&T
  • PepsiCo
  • Johnson&Johnson
  • IBM
  • Allianz
  • Munich Re
  • E.ON

Diese kleine Watchlist ist nicht abschließend und wir werden bei guten Gelegenheiten auch flexibel handeln.

 

Vielen Dank für den Besuch bei Dividende-um-Dividende!

Wir wünschen Euch und Euren Familien alles erdenklich Gute in diesen Zeiten. Bleibt gesund!

 

 

 

Anmerkung: Im vorherigen Artikel „Allianz“ sind mir einige Fehler unterlaufen (Schreibfehler, aber auch ein Satz in Entwurfsfassung, der nicht in den Text passte). Mir ist bewusst, dass dies absolut nicht passieren sollte und entspricht definitiv auch nicht meinem eigenen Anspruch. -Ich bitte dies zu entschuldigen-

 

Hinweis:

Die vorgenannten Ausführungen stellen ausdrücklich keine! Kauf/Verkaufsempfehlung dar. Sie spiegeln lediglich unsere Meinung wider und sollen zur Anregung eigener Recherche dienen. -keine Anlageberatung-

Investments sind immer auch individuell zu betrachten und nicht jedes Investment passt zum Risikoprofil jeder Person.

Ich / wir sind in AbbVie, AT&T, PepsiCo, IBM, Allianz, Munich Re und E.ON investiert.

Der Beitrag wurde mit der größtmöglichen Sorgfalt erstellt. Eine Gewähr für die Richtigkeit der Zahlen kann allerdings nicht übernommen werden.

 

 

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