Royal Dutch Shell

Unternehmensprofil

Das britisch-niederländische Unternehmen Royal Dutch Shell ist einer der weltweit größten Öl- und Gas Konzerne. 

Die ursprüngliche Gründung von Shell geht auf das Jahr 1907 zurück, als sich die N.V. Koninklijke Petroleum Maatschappij mit der The Shell Transport & Trading Company zusammenschloss. In der heutigen Form gibt es Royal Dutch Shell seit dem Jahr 2005.

Der Hauptverwaltungssitz befindet sich in Den Haag/Niederlande. Im Jahr 2018 belief sich der Umsatz auf 388 Mrd. US-$. Shell beschäftigt ca. 82.000 Mitarbeiter und ist in mehr als 70 Ländern der Erde vertreten. Shell unterhält zudem ein weltweites Tankstellennetz.

Zu den wesentlichen Geschäftsbereichen von Royal Dutch Shell zählen

  • die Exploration und Förderung von Erdöl und Erdgas
  • die Verarbeitung und der Vertrieb von Mineralöl
  • der Transport und die Vermarktung von Erdgas und Strom
  • Petrochemie
  • Schieferöl
  • Erneuerbaren Energien 

Im Jahr 2015 hat Royal Dutch Shell den drittgrößten britischen Gaskonzern BG Group für 64 Milliarden Euro gekauft und damit sein Geschäftsbereich breiter diversifiziert (der Kaufpreis wurde teilweise in Aktien gezahlt, was schlussendlich zu einem etwas niedrigeren Kaufpreis geführt hat, nachdem der Aktienkurs von Shell in der Zwischenzeit gefallen war). BG Group gilt speziell im Segment Flüssiggas (LNG) als Expertenunternehmen, und LNG  als Zukunftsrohstoff, da LNG auch mit Schiffen, LKWs oder Zügen transportiert werden kann.

 

Daten und Zahlen

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Stand 20.10.2019

 

 

 

Dividenden

Wenn man sich die Dividenden-Historie der letzten 10 Jahre ansieht, fällt auf, dass wenig/bis keine Erhöhung stattgefunden hat. Man könnte zu dem Schluss kommen, dass Shell nicht besonders gut in ein Dividenden-Wachstums Portfolio passt. Aber dieser erste Eindruck würde etwas täuschen und wäre nur die halbe Wahrheit.

Shell hat die Dividende seit über 70 Jahren !! nicht mehr gekürzt. Hinzu kommt, dass trotz konstanter Dividende eine sehr üppige Dividendenrendite über die ganzen letzten Jahre erzielt werden konnte. Insbesondere bei Hochdividendenwerten ist der Anspruch an die Steigerungsraten nicht so groß. Im Vordergrund steht dort die Verlässlichkeit und Sicherheit der Dividende für den Investor.

 

Stärken/Chancen

Aus der Perspektive eines Einkommens-Investoren ist die Dividenden Sicherheit ein ganz entscheidender Faktor und zweifellos eine der größten Stärken von Shell. Das Unternehmen hat seine Dividende auch dann nicht gekürzt, als der Ölpreis in den Jahren 2015 und 2016 teilweise auf unter 30 $ gefallen ist und damit viele der großen Ölkonzerne unter Druck gebracht hat. Eine Zeit lang hat Shell die Dividende in Form von zusätzlichen Aktien anstatt einer Bardividende gezahlt, was für einen Investor meistens nur die zweitbeste Lösung ist. Mittlerweile ist Shell zu einer ausschließlichen Bardividende zurückgekehrt.

Shell hatte auf den extrem niedrigen Ölpreis mit einem umsichtigen Spar- und Restrukturierungsprogramm und dem Verkauf von „non-core assets“ reagiert. Damit hat Shell erreicht z.B. auch bei dem aktuellen Ölpreis von ca. 60 US-Dollar pro Barrel sehr profitabel zu sein.

Das Management unter Leitung des CEO van Beurden steht für Kontinuität und shareholder value, aber auch Flexibilität und Umsicht in Krisenzeiten sowie einer zukunftsorientierten Mentalität. Shell hat in Krisenzeiten bewiesen, dass shareholder value kein Lippenbekenntnis ist. Ein absoluter Pluspunkt.

In den Jahren 2011-2015 wurden rund 52 Mrd. US-Dollar in Form von Ausschüttungen und Aktienrückkäufen an die Aktionäre zurückgegeben. Von 2015-2020 waren/sind es rund 90 Mrd. US-$. Und in den Jahren 2020-2025 ist geplant, den Betrag auf 125 Mrd. US-$ zu erhöhen. Eine Anhebung der Dividende ist ebenfalls geplant. Siehe nachfolgende Grafik. Voraussetzung ist laut CEO van Beuren ein Ölpreis um die 60 US-$.

 

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Quelle: Shell Investor Presentation

 

 

Eine weitere Stärke von Shell ist die Diversifikation über die verschiedenen Geschäftsfelder. Neben der klassischen Ölförderung und Verarbeitung hat Shell durch den 64 Milliarden Euro Zukauf von BG Group, einem großen Erdgasproduzenten seine Tätigkeit auf dem Gas-Sektor ausgebaut. BG Group hat insbesondere im Bereich Flüssiggas (LNG) eine Expertise. LNG gilt als Zukunftssektor, da LNG auch mit Schiffen, LKWs oder Zügen transportiert werden kann. Unter anderem diese Diversifikation trägt zu einem robusten Cashflow bei.

 

 

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Quelle: Shell Investor Presentation

 

 

Der Einstieg in das Geschäft als Stromversorger ist ebenfalls erfolgt und soll weiter ausgebaut werden. Shell plant auch in diesem Bereich zu den großen der Welt zu gehören. Shell hat den britischen Elektrizitätsversorger First Utility und den E-Ladestationbetreiber New Motion übernommen, einen der weltweit größten Anbieter von Ladelösungen für Elektroautos. „Durch die Übernahmen können wir unseren Kunden eine größere Auswahl an verlässlicher und sauberer Energie bieten“, sagte Shell New Energy-Chef Mark Gainsborough. 

Im australischen Energiesektor versucht Shell durch ein 419 Mio US-$ Übernahmeangebot für den zweitgrößten Energielieferanten ERM Power, einen Fuß in die Tür zu bekommen. In Großbritannien wurde bereits 2017 das Unternehmen First Utility erworben.

Darüber hinaus investiert Shell insbesondere mit Blick in die Zukunft in erneuerbare Energien. So hat Shell bspw. im Jahr 2019 das deutsche Solarbatterie-Unternehmen SONNEN übernommen. 

Im Bereich der Windenergie ist Royal Dutch Shell ebenfalls aktiv. Shell verfügt derzeit über sechs Onshore-Windkraftprojekte in Nordamerika und ein Offshore-Windpark in Europa. Pro Jahr will Shell ab 2021 3 Mrd. US-$ in den Bereich investieren. Der CEO hat dazu Folgendes ausgeführt: 

Wir werden noch viele Jahrzehnte Geld mit Öl und Gas verdienen, aber wir müssen für den Wandel gerüstet sein“.

Gerade diese auf die Zukunft fokussierte Konzernausrichtung hebt Shell meiner Meinung nach aus der Gruppe der großen Öl-Konzerne hervor.

Insbesondere in Europa drängt die Gesellschaft auf die Nutzung von Erneuerbaren Energien und Shell kann auch von diesem Trend profitieren. Öl und Gas sind bei Weitem noch die größten Segmente was den Umsatz angeht, aber der Bereich Erneuerbare Energien und die Pläne von Shell auch als Energie/Stromversorger tätig zu werden, sind vielversprechend.

Für Einkommensinvestoren ebenfalls nicht ganz unwichtig sind steuerliche Aspekte, insbesondere bei Auslandswerten. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass die Niederlande ab dem Jahr 2020 die Quellensteuer auf Dividenden vollständig abschaffen.

 

Risiken

Das größte Risiko für Royal Dutch Shell ist zweifellos die Möglichkeit länger anhaltender Öl- und Gaspreise. Trotz seiner Diversifikation im Vergleich zu anderen Ölfirmen macht Shell den Hauptteil des Umsatzes mit dem Öl- und Gas Geschäft. Eine Abhängigkeit von den Öl- und Gaspreisen am Weltmarkt ist somit nicht wegzudiskutieren. Genau dieses Risiko hat sich in den Ergebnissen zum zweiten Quartal 2019 gezeigt. Aufgrund eines sehr niedrigen Gaspreises ist das Ergebnis mit einem Gewinn von 3,03 Mrd. US-$ deutlich unter den Erwartungen geblieben. Im Vorjahr waren es noch 5,23 Mrd. US-$, was einem Rückgang von 42% entspricht. Der operative Cashflow ist zwar von 9,5 Mrd. auf 11 Mrd. US-$ gestiegen, aber der FCF (Free Cash Flow), welcher insbesondere für die Zahlung der Dividende und Aktienrückkäufe verwendet werden kann, ist auf 6,9 Mrd. US-$ gefallen.

Die Entwicklung der Öl- und Gaspreise am Weltmarkt hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, auf die Shell als Unternehmen keinen Einfluss hat. Anzuführen sind dabei u.a. die Weltkonjunktur, politische Unsicherheiten -speziell in der Golfregion-, Entscheidungen zu Fördermengen der OPEC, aber auch ein langfristiger Trend hin zu erneuerbaren Energien.

 

Fazit

Vor jedem Investment sollte man sich grundsätzlich klar werden, aus welchem Grund und mit welchem Ziel man in das jeweilige Unternehmen investiert. Aus der Perspektive langfristig orientierter Einkommensinvestoren ist Royal Dutch Shell sicher ein interessanter Wert. Verglichen mit einigen anderen großen Öl-Konzernen ist Shell etwas  breiter diversifiziert.

Zudem hat Shell die Zeichen der Zeit erkannt und baut den Geschäftsbereich mit erneuerbaren Energien konsequent weiter aus. Das shareholder-value orientierte Management hat darüber hinaus bewiesen, dass es auch in schwierigen Zeiten mit niedrigen Ölpreisen sinnvolle Restrukturierungsmaßnahmen umsetzen kann und eine seit über 70 Jahren nicht gekürzte Dividende mit einer aktuellen Dividendenrendite von 6,74% sprechen für sich!

Nichts desto trotz sollte man auch das Risiko eines stark fallenden Öl-/Gaspreises im Blick haben, auf den Shell als Unternehmen keinen Einfluss hat. Ein massiver Gewinnrückgang und erneut Zeiten, in denen der Gewinn pro Aktie die Dividende nicht mehr deckt, wären dann das wahrscheinlichste Szenario.

In der Gesamtschau überwiegen für uns derzeit allerdings die Chancen aus Sicht langfristig orientierter Dividenden-Investoren.

 

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Erläuterung zum  Income Portfolio Score (IPS)

  • Petrol: Unternehmen ist ein Kandidat für unser Portfolio und steht auf der Kauf-/Nachkaufliste
  • Hellblau: Unternehmen gehört zu dem erweiterten Kreis der Portfolio-Kandidaten als Neuaufnahme bzw. als Nachkauf 
  • Blau: Unternehmen steht auf der Watchlist und bei Änderungen (bspw. Dividende, Kurs, Gewinnwachstum etc.) kommt es für einen Kauf in Betracht.
  • Dunkelblau: Unternehmen passt in der Gesamtschau eher nicht zu unserem Portfolio 
  • Schwarz: Unternehmen erfüllt derzeit nicht unsere Kriterien und kommt für das Portfolio damit nicht in Frage

 


 

Hinweis

Die vorgenannten Ausführungen stellen ausdrücklich keine! Kauf/Verkaufsempfehlung dar. Sie spiegeln lediglich unsere Meinung wider und sollen zur Anregung eigener Recherche dienen.

Ich / Wir sind in Royal Dutch Shell investiert.

Der Beitrag wurde mit der größtmöglichen Sorgfalt erstellt. Eine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben kann allerdings nicht übernommen werden.

 

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